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DATEV Mittelstand Faktura endet am 31.12.2026 – und ein zweiter Termin fällt auf denselben Tag

Andreas Olbricht
Odoo: ERP und CRM-Experte
OIT GmbH
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DATEV hat zwei Abkündigungen auf denselben Stichtag gelegt. Beide treffen kleine und mittlere Betriebe, beide laufen am 31.12.2026 aus, und die zweite betrifft auch Unternehmen, die mit DATEV-Software selbst gar nichts zu tun haben.

Termin eins: Mittelstand Faktura ist danach nicht mehr nutzbar

Betroffen sind DATEV Mittelstand Faktura (Art.-Nr. 93600, Freischaltcode-Version) und DATEV Mittelstand Faktura ITU (Art.-Nr. 93500) samt dem Zusatzmodul „Verkauf“. DATEV formuliert es unmissverständlich: Weiterentwicklung, Pflege und Service werden eingestellt, und das Produkt kann nach diesem Datum nicht mehr genutzt werden.

Das ist keine auslaufende Wartung, bei der man notfalls noch zwei Jahre weiterarbeitet. Es ist ein Vertragsende.

Der Punkt, der leicht übersehen wird

In Mittelstand Faktura ist ein Zugang zu DATEV Unternehmen online enthalten. Auch der endet zum 31.12.2026 – ab dem 01.01.2027 ist der Zugriff auf Belege online und die zugehörigen Funktionen nicht mehr möglich. Es gibt eine Ausnahme: Wer den Zugang behalten will, muss sich aktiv bei DATEV melden. Passiert nichts, ist er weg.

Was vorher zu exportieren ist

DATEV weist ausdrücklich darauf hin, Daten rechtzeitig zu sichern. Gemeint sind:

  • Stammdaten – Kunden, Lieferanten, Artikel, Preise – als CSV oder XML
  • Bewegungsdaten – Angebote, Aufträge, Lieferscheine, Rechnungen
  • Belege aus Unternehmen online, solange der Zugriff besteht

Wer diesen Export erst im Dezember 2026 angeht, macht ihn unter Zeitdruck und ohne Möglichkeit, das Ergebnis in Ruhe gegenzuprüfen. Sinnvoll ist ein Probeexport jetzt – dann weißt du, welche Felder überhaupt mitkommen und wo Lücken entstehen.

Termin zwei: Rechnungsdatenservice 2.0 endet ebenfalls

Unabhängig von Mittelstand Faktura läuft der DATEV Rechnungsdatenservice 2.0 aus. Seit dem 01.01.2026 ist er nicht mehr bestellbar, und gesendete Rechnungsdaten lassen sich nur noch bis zum 31.12.2026 abrufen. Nachfolger ist der DATEV Buchungsdatenservice.

Das betrifft eine viel größere Gruppe: jede Warenwirtschaft und jeden Onlineshop mit DATEV-Anbindung, unabhängig vom Softwarehersteller. Wenn dein System Rechnungsdaten über diesen Weg an die Kanzlei übergibt, muss die Schnittstelle bis Ende 2026 umgestellt sein – sonst reißt der Belegfluss zum Steuerberater ab.

Der Nachfolger – und was er ist und was nicht

DATEV nennt als Nachfolger für Mittelstand Faktura das DATEV Auftragswesen next, eine Cloud-Lösung. Eine Migration ist ab Mittelstand-Faktura-Version 14.44 möglich; daneben verweist DATEV auf Lösungen über den DATEV Marktplatz.

Wichtig für die Entscheidung: Auftragswesen next ist ein Fakturaprogramm. Wer heute mit Mittelstand Faktura nur Angebote und Rechnungen schreibt und damit zufrieden ist, findet dort einen passenden Nachfolger.

Viele Betriebe sind über die Jahre aber aus dem Fakturaprogramm herausgewachsen, ohne die Software zu wechseln. Typische Anzeichen dafür:

  • Der Lagerbestand wird in einer Excel-Tabelle daneben geführt
  • Projektzeiten oder Monteurstunden laufen über Zettel, App oder eine zweite Software
  • Wartungsverträge und wiederkehrende Rechnungen werden manuell nachgehalten
  • Es gibt eine zweite Gesellschaft, und beide werden getrennt gepflegt
  • Niemand kann sagen, was ein einzelner Auftrag am Ende eingebracht hat

Trifft davon mehreres zu, ist der erzwungene Wechsel eine Gelegenheit. Ein Fakturaprogramm durch das nächste Fakturaprogramm zu ersetzen, löst diese Punkte nicht – es verschiebt sie um ein paar Jahre.

Warum der Zeitpunkt ungünstig zusammenfällt

Auf denselben Zeitraum laufen zwei weitere Termine zu: die E-Rechnungspflicht zum 01.01.2027 für Unternehmen mit über 800.000 Euro Umsatz im Vorjahr, und ab 01.01.2028 die Pflicht für alle. Wer 2026 ohnehin das Fakturasystem anfassen muss, sollte die E-Rechnung im selben Zug lösen statt zweimal umzustellen.

Drei Wege, nüchtern verglichen

  1. Auftragswesen next. Der kürzeste Weg, wenn du wirklich nur Faktura brauchst. Migration aus dem Altsystem vorgesehen, DATEV-Anbindung bleibt naturgemäß eng.
  2. Eine andere Faktura- oder Warenwirtschaftslösung. Sinnvoll, wenn ein konkretes Modul fehlt, das Auftragswesen next nicht abdeckt, der Rest aber passt.
  3. Ein ERP mit integriertem CRM. Der größere Schritt: ein System für Kunden, Angebote, Aufträge, Lager, Zeiten, Rechnungen und Buchhaltung. Lohnt sich, wenn die Liste oben mehrfach zutrifft – und kostet in der Einführung deutlich mehr als in der Lizenz.

Was wir dazu sagen können

Wir betreiben unser eigenes Unternehmen komplett in Odoo, inklusive Buchhaltung, Projektzeiten und Shop. Und wir haben ein Handelsunternehmen mit zwei Gesellschaften – Handel und Vermietung – von Sage auf Odoo umgestellt: mit Mandantentrennung, echter Datenmigration aus dem Altsystem und Schulungen für die Fachbereiche. Wir wissen also, wo es bei so einem Umstieg klemmt.

Ehrlich dazu: Die DATEV-Übergabe läuft bei Odoo in der Praxis meist über ein zusätzliches Modul, deutsche Lohnabrechnung kann Odoo nicht, und die E-Bilanz ebenfalls nicht. Wenn einer dieser Punkte für dich zentral ist, gehört er auf den Tisch, bevor jemand ein Angebot schreibt.

Die nächsten Schritte

  1. Prüfen, ob ihr Mittelstand Faktura (93600 oder 93500) einsetzt – und ob der Zugang zu Unternehmen online daran hängt.
  2. Prüfen, ob eure Warenwirtschaft oder euer Shop über den Rechnungsdatenservice 2.0 an die Kanzlei liefert.
  3. Probeexport der Stamm- und Bewegungsdaten machen, solange Zeit ist.
  4. Mit der Kanzlei sprechen: Welchen Weg der Belegübergabe will sie ab 2027?
  5. Erst danach entscheiden, ob Faktura reicht oder ein System nötig ist.

Stand 13.09.2026. Die Termine stammen aus den Abkündigungsseiten von DATEV. Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche Beratung; sprich die Belegübergabe mit deiner Kanzlei ab.

Unsicher, ob bei euch Faktura reicht oder ein System nötig ist? Wir schauen uns in 60 Minuten eure Prozesse an und sagen ehrlich, welcher der drei Wege zu euch passt.

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